Hilfe, mein Hund müffelt!

Hilfe, mein Hund müffelt!

7. September 2019 Aus Von Kerstin

Das Eau de Muff

Die Badesaison neigt sich dem Ende und man sollte meinen, dass nun aller Dreck aus dem Berner Plüsch rausgewaschen ist. Doch gerade das Personal der eifrigsten Schwimmer unter den Bärchen entdeckt im Spätsommer eine eigenartige Duftnote an den Lieblingen! Baden, Fönen oder Blowern, nichts scheint wirklich was zu nützen. Verzweiflung mach sich breit, denn die Quelle des Eau de Muffs kann oft nicht ausfindig gemacht werden.

Ursachenforschung

Woher kommt der unangenehme Geruch?

Es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als den Hund systematisch von oben bis unten abzuschnüffeln, um das Epizentrum auszumachen. Denn die Ursachen reichen von Mundgeruch (durch Zahnstein oder durch Magenprobleme), dunkles Ohrenschmalz in den Ohren (durch eine Ohrenentzündung) über die Pfoten (Irritationen oder Entzündung zwischen den Zehen) bis hin zu den Analdrüsen (von Verstopfung bis zur Entzündung). Das alles kann tatsächlich die Ursache von ungewöhnlichem plötzlichem Hundegeruch sein. Wenn die detaillierte Suche erfolglos geblieben ist, sollte man das Fell und die Haut genauer unter die Lupe nehmen, besonders, wenn es sich um einen badefreudigen Berner handelt. Das Baden bringt nicht nur Abkühlung sondern kann auch die Hautflora in Unordnung, und einige Mitbewohner können aufmüpfig werden.

Die gesunde Hautflora

Wer wohnt alles auf der Haut des Hundes?

Die Hautoberfläche des Hundes ist quasi eine große WG von verschiedenen Bakterien, Hefen und vereinzelten Parasiten. So lange sich jeder der Bewohner an die Hausordnung hält, profitiert der Hund als Gastwirt sogar von jedem Einzelnen Untermieter, und alle können friedlich miteinander leben. Detaillierte Informationen zum Thema Haut findet ihr im bernerWiki .

Was stört die Idylle?

Ein angegriffenes Immunsystem, z.B. durch Medikamente (Antibiotika, Cortison, etc.), eine chronische Erkrankung sowie Erkrankungen, die die Hautoberfläche verändern, wie Allergien oder Stress, können das Zusammenleben der Bewohner der Hundehaut empfindlich stören und besonders die Hefen zum übermäßigen Wachstum ermutigen. Genauso stören aber auch Hautverletzungen oder nicht gut belüftete Bereiche der Hundehaut wie z. B. Hautfalten. Allgemein kann man sagen: Ist die Symbiose nicht mehr gegeben, können einzelne Bewohner überhand nehmen und dann tatsächlich auch krankmachen.

Wenn den Hund plötzlich ein ranziger Geruch umgibt, könnte dies ein Indiz für eine Vermehrung der Malassezien (noch mehr Informationen dazu im bernerWiki) handeln.

Was sind Malassezien

Malassezien sind Hefe-Pilze, die Fette auf der Haut spalten. Es gibt von ihnen unterschiedliche Spezies, aber auf Hunden findet man hauptsächlich die Spezies Malassezia pachydermatis (gehören zur Familie der cryptococcaceae).

Bildquelle: Wikipedia

Woher kommen diese Malassezien?

Wie gerade schon erwähnt, sind die Malassezien normalerweise friedliche Hautbewohner und wohnen bevorzugt am Ohr, am Kinn und Unterlippe, an den Pfoten vor allem zwischen den Zehen und unter dem Schwanzansatz am Po. Am liebsten da, wo es muckelig warm, leicht feucht und dunkel ist.

Warum vermehren sich die Hefe-Pilze?

Eine Vermehrung der Malassezien geschieht häufig, wenn das Immunsystem größere Baustellen im Hundekörper zu bearbeiten hat oder die Hautoberfläche erkrankt ist. Die Malassezienvermehrung ist dann nur eine Begleiterscheinung einer Haupterkrankung (z.B. Diabetes oder bei allergischen Hauterkrankungen wie die Atopische Dermatitis).

Ist der Hund ansonsten gesund, sehen die Hefen Ihre Chance auf Vermehrung vor allem, wenn die Haut verletzt oder sehr beansprucht ist (z.B. durch vermehrtes Baden oder feucht warmes Klima).

Woran erkenne ich eine Malassezien-Vermehrung

Die Malassezien spalten die Fette des Hauttalgs und produzieren Enzyme, was für den typischen muffigen bzw. ranzigen Geruch verantwortlich ist. Als wäre der nicht schon unangenehm genug, verstärkt sich dieser bei Nässe noch extrem. Je nach Ort der Malassezien-Party kann es zu einer Ohrenentzündung (jede Menge dunkles Ohrenschmalz mit charakteristischem, ranzigem Geruch – ACHTUNG vorsichtig schnuppern!), zu trockenen oder auch feuchten Schuppen (medizinisch Seborrhö genannt) kommen. Zudem ist die Haut stark gerötet, kann sich verdicken und auch dunkler werden. Ordentlich Juckreiz macht das ganze dann komplett. Nicht zu vergessen, kann sich die Haut auch gerne mal zwischen den Zehen röten und jucken, denn da ist es auch warm und dunkel und hin und wieder feucht. Sind die Pfoten mit betroffen spricht der Fachmann von einer Pododermatitis, die als Markenzeichen die bräunlich verfärbten Krallen hat und besonders bei hellen Krallen auffällt.

Der Tierarzt oder Tierheilpraktiker kann einen sogenannten Abklatsch von der betroffenen Hautstelle nehmen. Dazu nimmt er einen durchsichtigen Klebestreifen und legt die Klebefläche auf die betroffenen Hautstelle und untersucht die Probe unter dem Mikroskop. Dies ist absolut schmerzfrei. Meist ist das aber gar nicht notwendig und es reicht ein geübtes Auge und eine geübte Nase.

Wann muss ich zum Tierarzt?

Immer dann, wenn man unsicher ist, sollte man sich grundsätzlich an einen Tierarzt oder Tierheilpraktiker wenden, vor allem, wenn der Hund schon eine Grunderkrankung hat oder immer wieder zu Erkrankungen neigt. Denn die Ursachen können vielfältig sein.

Wie bekomme ich das wieder in den Griff?

Zunächst muss die Ursache gefunden werden. Ist eine Grunderkrankung schuld an der Vermehrung, muss zunächst die Grunderkrankung behandelt werden, bevor die Malassezien erfolgreich in die Schranken gewiesen werden.

War es nur eine extrem schöne Badesaison und ist sonst keine Grunderkrankung vorhanden, kann man die Anzahl der Malassezien gut ohne Chemie mit natürlichen Mitteln wieder in die Schranken weisen. Bis die Therapie erfolgreich beendet ist, sollte der Hund, auch wenn es schwer fällt, mit dem Schwimmen pausieren. Wenn der Hund doch mal einen Regenguss abbekommen hat, ist es wichtig, das Fell schnell und gut zu trocknen. Ziel ist es, den Hefen die Anwesenheit so ungemütlich wie es geht zu machen.

Frei nach dem Motto von Claude Bernard (Arzt, Pharmazeut und Experimentalphysiologe) „Le microbe n’est rien, le terrain c’est tout“ – Der Erreger ist nichts, das Terrain ist alles!

Auch bei komplizierteren Erkrankungen kann die Natur der Schulmedizin unterstützend helfen, dies sollte dann aber mit dem Tierarzt abgestimmt sein.

Alles kann, nichts muss…

Wie immer können, aber müssen nicht alle Symptome gleichzeitig oder in bestimmter Ausprägung vorhanden sein. Ich kann gar nicht oft genug schreiben, dass dieser Beitrag den gang zu einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker nicht ersetzen soll. Er soll nicht zur Diagnosefindung dienen sondern zur rein zur Information.

Zum Schluss – der Blower

Was ist das und braucht man ihn unbedingt?

Der Blower ist ein Hundefön, der nicht durch Wärme trocknet, sondern durch einen starken Luftstrom, ähnlich wie ein Laubpuster. Da er meistens lauter ist, sollte man den Hund langsam dran gewöhnen. Gerade die Berner Sennenhunde mit dem dicken Fell können mit einem Blower recht schnell und unkompliziert getrocknet werden. Ein Fön tut es allerdings auch, ist nur nicht so schnell. Aber bitte unbedingt auf die Temperatur achten!